Zündhölzer Zeittafel

Zeittafel der Zündholzherstellung in Neustadt am Rennsteig


1844
Hans Schmidt brachte von Berlin die Verfahrensweise über die Herstellung von Zündhölzer nach Neustadt am Rennsteig.

1847
Meininger Seite 1 Zündholzbetrieb mit 49 Arbeitern –
Schwarzburger Seite 14 Zündholzbetriebe mit 79 Arbeitern.

1851
5 Kleinbetriebe stellen 350 Zentner Zündhölzer her.

1860
Am 01. Januar beginnt der Handelsmann und Schwammfabrikant Johann Christoph Friedrich Speitel (01.05.1811 – 27.09.1877) mit der fabrikmäßigen Herstellung von Zündhölzern.
* bis 1907 – Friedrich Speitel, Zündholzfabrik
* ab ca. 1920 – Friedrich Speitel, Inhaber Emil, Wilhelm und Heinrich Speitel
* ab 1922 – Friedrich Speitel AG
* 1926 bis 1928 – Deutsche Zündholzfabriken AG Hamburg

1864
Schultheiß Häuser berichtet über das Entstehen der Zündholzproduktion von 1844 an,
2450 Zentner Zündhölzer hergestellt.

1865
Jahresherstellung von 5.000 Ztr. Zündhölzern.

1872
Folgende Phosphorhölzer produzierende Familienbetriebe sind nachgewiesen:
Ottomar Böfel, Christel Ebert, August Schmidt, Carl Brückner, Friedrich Ebert,
Günther Schmidt, Albin Dresselt, Constantin Enders, Wilhelm Schmidt, Berthold Ebert, Friedrich Ernst, Constantin Welsch, Carl Ebert, Günther Ernst, Fritz Welsch, Franz Ebert, Franz Ernst, Werner Schmidt

1873
* Das Familienunternehmen Carl Wilhelm Beetz gründet sich, aus dem sich später die Firma Kahl, Beetz & Nordhaus [Rennsteigstr. 19] entwickelt und hat bis 1904/05 bestanden.
* Phosphorhölzer produzierende Familienbetriebe:
Adelheid Beetz, Anton Beetz, Carl Wilhelm Beetz Wwe., Ehrenfried Beetz
* Louis Günther Heinz beginnt mit der fabrikmäßigen Herstellung.
* Wwe. Marie Schmidt (später Unterneubrunn, dann Köln) begann mit einer Schwammfabrikation – es wurden Wund-, Zeichen- und Industrie-Schwämme hergestellt und vertrieben.
* ?? Familienbetriebe Wilhelm Heinz, Michel Heinz, Friedrich Wilhelm Heinz.

1880
* 100 Familien stellen Zündhölzer her.
* 250.000 Rohhölzer kosteten etwa 4 Mark, sie wurden zu Rollen gebündelt und in Fässern übereinander geschichtet in den Handel gebracht. Daraus konnten ca. 300 Pack a 10 Patronen mit je 75 – 80 Hölzchen hergestellt werden.
* Arbeitszeit für erwachsene Zündholzarbeiter von früh 5 Uhr bis abends 8 Uhr.

1881
* 100 Familienbetriebe in der Zündholzherstellung genannt, außerdem 3 „Großbetriebe“ mit je 10 Beschäftigten.
* Meininger Seite 226 Arbeiter in 82 Hausbetrieben.
* Durch einen staatlichen Bericht wurde auf die gesundheitsschädigenden Verhältnisse bei der Phosphorzündholzherstellung hingewiesen. Von 1875 – 1881 starben 35 % aller Erkrankten an Nekrose, 60 % behielten schlimme Schäden.

1884
* Verbot der Phosphorzündholzproduktion am 13. Mai.
* 460 Personen in 120 Familienbetrieben beschäftigt [Meininger Seite ca. 80 –
Schwarzburger Seite ca. 40]

1885
* Firma Berthold Lutz [Meininger Seite] mit 20 Arbeitern genannt.
* 4 Fabriken und 80 Hausbetriebe mit 925 Beschäftigten [503 weiblich, 422 männlich].

1887
* Phosphorhölzer produzierende Familienbetriebe:
Ernst Friedrich Beetz, Friedrich Kahl, Emil Nordhaus
* 27.03. Firma Kahl, Beetz & Nordhaus [Rennsteigstr. 19] Zündholzfabrik gegründet – siehe 1873
* Ansiedlung eines Schachtelmachers

1888
* Dr. Emanuell Sax schreibt in „Die Phosphorzündhölzchen-Industrie in Neustadt am Rennsteig“, daß um 1885/86 in den 3 mit staatlicher Unterstützung errichteten Zündholzfabriken (auf Meininger Seite) 69 Personen beschäftigt sind, obwohl diese für 90 Arbeiter angelegt waren.
* 19 Einwohner hatten einen Wandergewerbeschein für den Handel mit Zündhölzern.
* Im Adreßbuch der Chemischen Industrie des Deutschen Reichs sind für Neustadt am Rennsteig genannt:
Beetz, E.F., F. Kahl & E. Nordhaus – Zündwaarenfabrik
Lutz, Berthold – Fabrik für Zündhölzer
Schmidt, Carl Alfred – Zündholzfabrik
Schmidt, Carl Friedrich Emil – Zündholzfabrik
Speitel, Friedrich – Zündholzfabrik, gegr. 1860, 60 Arbeiter, die Leitung hat Friedrich Siegfied Berthold Speitel (geb. 09.07.1836)

1891 ??
Otto Speitels Wwe. – Fabrik chemische Zündwaaren

1894
Die Zündholzfabrik Carl Friedrich Emil Schmidt samt Wiese und Acker soll im Zuge einer Zwangsversteigerung zum Taxpreis von 7305,00 M verkauft werden.

1895
2 Betriebe in der Zündholzhausindustrie auf der Meininger Seite mit 35 Personen genannt.

1896 ??
* Erwähnung Carl Friedrich Emil Schmidt / Carl Alfred Schmidt
* Familienbetrieb Friedrich Kahl, Carl Wilhelm Beetz, Ernst Friedrich Beetz, Emil Nordhaus, Louis Günther Heinz bis 1911, Carl Lutz

1897
81 Familien betrieben in der verbotenen Hausindustrie die Fabrikation von Zündhölzern.

1898
In der Speitelschen Fabrik waren 48 Personen beschäftigt, 37 davon in der direkten Produktion.

1901
Das Fabrikanten-Adressbuch des Königreiches Sachsen und der thüringischen Staaten nennt folgende Zündholunternehmen:
Louis Günther Heinz
Kahl, Beetz & Nordhaus
Friedrich Speitel

1903
* Am 18.02. meldet das „Saalfelder Volksblatt“, daß es offiziell 19 Betriebe und 50 (verbotene) Hausbetriebe gebe.
* 1350 Einwohner, von denen ca. 1000 in der Zündholzfabrikation als Kleinfabrikant, Hausindustrieelle oder Arbeiter tätig waren.

1904 ??
Carl Bert, Lutz & Sohn (CL)

1905
Der bedeutendste Standort der Phosphorzündholzindustrie im Herzogtum Sachsen-Meiningen war Neustadt am Rennsteig.

1906/07
Die Speitelsche Zündholzfabrik wird mit Staatszuschuß der meininger Regierung modernisiert (von Handarbeit zur halbmaschinellen, später vollmaschinellen Fertigung) – Tagesleistung 3,25 Millionen Hölzer.

1907
* 01.01. trat das Gesetz zum Verbot der Verwendung von weißem Phosphor in Kraft.
* Die Fa. Speitel mit Zündholzfabrik, Sägewerk sowie Holzdraht- und Schachtelfabrik hatte 45 Beschäftigte
* Richard Otto Speitel betrieb bis 1913 einen Zündholzgroßhandel, ab 1905 hatte er ein Kolonialwarengeschäft.

1909
* Einführung der Steuergesetzgebung für Zündhölzer und Zündwaren.
* Die Zündholzbetriebe erhielten Fabriknummern (bis 1914)
Friedrich Speitel: 31 – 52 – 141 – 147
Richard Otto Speitel: 231
L.G. Heinz Sohn: 345

1910
* 02.01. – 50 Jahre Firma Friedrich Speitel
* Postkarte für Kundenbesuche von Schwamm- und Zündholzfabrikant Carl Leopold Schmidt
1911
* Die Fabrik von Louis Günther Heinz (Bahnhofstr. 39) sollte von dem sächsischen Zündholzunternehmen der Gebrüder Pötschke aus Waldheim übernommen werden.
* Firmeninhaber der Speitelschen Fabrik sind Emil, Wilhelm und Heinrich Speitel.
* Heinrich Speitel betreibt später unter dem Namen „Zündholzvertrieb“ den Handel:

1913 ??
Betrieb C.L. Schmidt

1920 ??
Emil Friedrich Speitel – Zündholz-Großhandel (R.O.S.N.)

1922
Am 22.12. erfolgt in der Speitelschen Fabrik die Umwandlung der Abteilung Zündholzfabrik in eine Aktien Gesellschaft.

1925
Es bestanden 5 Zündholzbetriebe mit etwa 250 Beschäftigten:
Carl Leopold Schmidt
Kahl, Beetz & Nordhaus
Louis Günther Heinz
Richard Otto Speitel
Friedrich Speitel

1926
* Folge der allgemeinen Rezession waren die Zusammenlegung kleinerer Betriebe.
In der Zündholzindustrie erfolgte nach der Reichsanleihe des Schweden Ivar Kreuger der Aufkauf kleinerer Unternehmen, die dann geschlossen wurden
Die Stahl & Nölke AG Kassel übernahm die Zündholzfabrik Friedrich Speitel AG, danach wurde die Fabrikation eingestellt
* Das Unternehmen Louis Günther Heinz Sohn stellte ebenfalls die Produktion ein, betrieb danach in der Bahnhofstr. 39 ein Landwaren- und Versandhaus sowie den Zündholzhandel.
* Neustadt am Rennsteig wieder mit Not, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit.

1945
* Am 02.12. wurde die alte Zündholztradition wieder aufgegriffen und eine Genossenschaft gegründet. Anteile von 200,–DM bei 10 Mitgliedern. Beginn der unsauberen Machenschaften des Herrn Frankenberger. Die Produktion begann in der Ernst Thälmann Schule.
* Im Juni Gründung des Holzwarenbetriebes Schuchmann mit 50 Beschäftigten.

1946
Im ersten Quartal eine Belegschaft von 90 Personen in der Genossenschaft. Der Geschäftsbericht weist ein Produktionsergebnis von 3 Millionen Schwedenschachteln aus,
137 Beschäftigte am Jahresende. Lohn für Männer 70 Pf, für Vorarbeiter 80 Pf.

1947
* Erweiterung des Maschinenparks um 2 Schälmaschinen, 1 Abschlagmaschine, 1 Putz- und Poliertrommel und 1 Spannteilmaschine.
Die Jupiterproduktion wurde gegenüber 1946 um das Vierfache gesteigert, trotzdem ein Verlust von 29.000,–DM, da für 15.000,–DM Werkzeuge vernichtet werden mußten, die für den Einsatz in der Produktion nicht geeignet waren.
* Schuchmann machte mit der Jupiterproduktion über 150.000,–DM Gewinn.

1948
* Der Preis pro Koffer betrug 11 ½ Pf., Fehlbestand 181.000 Stück.
Der Aufsichtsrat betraut am 28. Juni den Werkleiter, den Betrieb der Gemeinde zu erhalten.
In 5 Monaten stieg die Produktion 32 %, Die Leistungen der Einlegemaschinen stieg von 190 bis 250 Rahmen auf 275 bis 612 Rahmen.
* Der Zündholzbetrieb Schuchmann stellte alle modernen, zu einen Zündholzwarenbetrieb notwendigen Maschinen auf Grund der persönlichen Gegensätze in der Gemeinde Neustadt am Rennsteig in Zella Mehlis auf. Ein Zusammenschluß mit der Genossenschaft wurde abgelehnt.
* Überführung der Genossenschaft in Volkseigentum am 16.11. beschlossen.

1949
* Am 01.01. Übernahme durch die VVB Papier/Chemie Land Thüringen.
2 weitere Einlegemaschinen aufgestellt, Aufbau einer Trockenanlage mit Unterfeuerung.
* Die Holzwarenproduktion der Firma Schuchmann kam zum Erliegen, für die primitiven Erzeugnisse war kein Absatz mehr vorhanden. Die Zulieferung für die Schuhindustrie wurde aufgenommen

1950
Am 22. Februar brach in der Trocknungsanlage ein Brand aus; Vernichtung dieser und des Daches, ab dem 29. April lief die Produktion wieder voll an.
Umstellung der Kofferproduktion auf Schwedenware am 02. Oktober, im ersten Monat 1.110.000 Schachteln hergestellt.

1951
Bei der Firma Schuchmann kam es zu Klassenauseinandersetzungen, eine neue Gewerkschaftsleitung wurde gewählt. Es entwickelte sich auch eine starke Parteiorganisation. Gründung einer Schallmeienkapelle.

1952
17. Mai – Brandunglück in der Zündholzfabrik, 1 Todesopfer und weitere Verletzte mit schweren Verbrennungen

1953
* Im Februar erfolgte eine Überprüfung bei Schuchmann; Steuerhinterziehungen und Wirtschaftsvergehen wurden festgestellt.
* Produktionshalle am 15. August wegen Einsturzgefahr geschlossen.
* Gründung des VEB (K) Neustädter Holzwarenbetrieb am 15. Dezember mit 92 Werktätigen.
* Denkschrift der Zündholzfabrik am 22. Januar an W. Ulbricht wegen der Demontage der Zündwarenfabrik Rostock.
* 28. Februar Beginn der Umlagerung von Rostock nach Neustadt am Rennsteig.
* Am 23. Mai Beginn der Produktion nach der Neufassung des Schwedenrezeptes.
* Bis zum Jahresende Ausbau der Trocknungsanlage, Neuinstallation der Werkhalle, Bau der Werkküche und Toilettenanlagen.

1954
* Das Betriebskollektiv festigte sich, die leidliche Heimarbeit wurde abgeschafft.
* Beim Holzwarenbetrieb stabilisierte sich ebenfalls die Produktion.
Es entstanden die BSG „Aufbau“ mit 3 Fußballmanschaften, einer Frauenhandballmannschaft und einer Gymnastikgruppe. Ebenfalls entstand eine Sing- und Tanzgruppe.

1955
Die Steigerung der Arbeitsproduktivität betrug gegenüber dem Plan 23 %.

1956
Beim Holzwarenbetrieb erfolgten bis 1959 umfangreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen.

1964
– Die Produktion der Zündhölzer in Neustadt am Rennsteig wurde Mitte des Jahres
eingestellt
– Die Maschinen wurden nach Coswig umgelagert
– Am 01. Juli Zusammenlegung des Holzwarenbetriebes und der Zündholzfabrik zum
VEB Holzverarbeitungswerk Neustadt am Rennsteig
– Das Produktionssortiment umfaßte: Absatzkeile, Holz- und Hartpappgelenke für die
Schuhindustrie, Zeltstangen, Hochsprunglatten und Zigarrenwickelformen.

 

Erarbeitet für die Heimatstube des Thüringer Rennsteigverein e.V. Neustadt am Rennsteig
im März 1997 durch Manfred Kastner.

Neubearbeitung für das Rennsteig – Museum unter Verwendung von:
– Zur Entwicklung der Zündholzindustrie in Neustadt am Rennsteig im 19. Jahrhundert von Wolfgang Finn 2005
– Von hausindustriellen Hölzchenmachern und Zündholzfabrikanten in Neustadt am Rennsteig in der Zeit von 1845 bis 1925 – von Wolfgang Poock
– Geschichtliches zur Holzwaren- und Buchzünderfabrikation von Bernhard Schuchmann von Wolfgang Poock – Dresden
– Aufzeichnungen von Jürgen Nolte – Tannroda

Erkenntnisstand Juni 2015